Über den ersten Frost

Heute nacht riecht es zum ersten Mal nach Winter. Die Menschen, die von draußen herein kommen, schütteln sich und schnauben ein bisschen. "Heut ist es ganz schön kalt", sagen sie. Die Kälte wird kommentiert und lamentiert, aber es schwingt auch Aufregung mit in dem Satz. Es ist Herbst, es wird Winter werden. Es gibt sie noch, die Jahreszeiten. -Ist es das, was alle glücklich macht? Vielleicht ist es deshalb aufregend, weil man für einen kurzen Augenblick wirklich die Kälte r i e c h e n kann. So wie man im Frühling die ersten Sommerstrahlen mit der Nase wahrnimmt, weil die Feuchtigkeit in den Boden einsickert und der Geruch von Erde und frischem Gras aufsteigt. Es ist kalt heute nacht. Und schon bald werden wir Mützen und Handschuhe brauchen, um Rad zu fahren. Schon bald werden Schulkinder an der Haltestelle stehen und mit ihrem Atem in die Luft malen und dabei lachen und so tun, als ob es die Rauchwölkchen von Zigaretten wären, die sie paffen. Heute nacht riecht es noch nach Herbstlaub. Ich strecke meinen Kopf zum Fenster hinaus und höre die Menschen unter mir die Gasse entlang gehen. In der Querstraße brummt der Verkehr. Ich bin mitten in der Stadt. Aber selbst hier riecht es heute nach Winter.

13.10.07 21:48

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