Über das exhibitionistische Wohnen

Ich bin seit jeher eher freizügig. Nicht, dass ich mich auf der Liegewiese des örtlichen Freibads ohne Bikini sonnen würde. Auch das Umziehen in der Öffentlichkeit bereitet mir größere Schwierigkeiten. Ein möglichst großes Handtuch um mich gewickelt, versuche ich meinen klatschnassen Badeanzug vom Körper zu streifen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren und Blösse zeigen zu müssen. Dass ich danach in der Lage bin, nebst alter durchlöcherter Baumwollunterhose auch noch in eine Jeans zu schlüpfen, erstaunt mich dann immer wieder selbst. In meiner eigenen Wohnung habe ich dagegen weniger Bedenken, dass es beim Umziehen peinlich werden könnte. Allerdings habe ich bisher entweder zwei Stockwerke über allen benachbarten Häuserdächern gewohnt, oder aber neben einem Autohaus, das zu sehr begrenzten Zeiten frequentiert war. Nun bin ich mitten in einer Metropole in eine Wohnung in den ersten Stock gezogen. Mit einem Abstand von knapp zwanzig Metern kann ich meinen gegenüber wohnenden Nachbarn zwar nicht die Hand reichen, aber immerhin winken. -Oder sie dabei beobachten, wie sie kochen, essen, am Computer sitzen und sich umziehen. Im Rückschluss begreife ich, dass mein Leben nun für sie ebenso einsehbar geworden ist.

18.9.07 23:44

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